

Elf Dokumentarfilme thematisieren frauen- und gesellschaftspolitische Themen unserer Zeit. Die Filme zeigen mutige Kämpferinnen, überlebende Zeitzeugen und bekannte Frauen.
Mädchen am Ball von
Ein weiteres Porträt ist Annie Leibovitz – Life through a lens ihrer Schwester Barbara, mit „Promi-Faktor”, aber dennoch überaus herzlich. Bemerkenswert sind auch die Shoshone-Schwestern – Trägerinnen des alternativen Nobelpreises – in Our Land, Our Life in ihrem Kampf um ihr Land gegen die US-Regierung.
Im ehemaligen Jugoslawien kämpft Carla del Ponte, Chefanklägerin des internationalen Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, in Carlas List um die Festnahme der letzten freien Kriegsverbrecher. In Rule of Law zeigt die österreichische Regisseurin Susanne Brandstätter den Versuch einer UNO-Richterin, Demokratie im Kosovo zu gründen (hierfür gab es den Wiener Filmpreis).
Queens of Sounds der österreichischer Regisseurin Susanne Krampelhuber beleuchtet die lang vernachlässigte Situation von Frauen in Reggae und Dancehall in Jamaika.
Star-Regisseur Wim Wenders zeigt in seiner Episode aus dem Film Invisibles die – verdrängten – sexuellen Übergriffe auf Frauen im Kongo auf. Mit sexuellen Übergriffen haben auch vier verschleppte Mädchen im Film Sacrifice zu kämpfen.
Working Mom zeigt anhand einer heimkehrenden Mutter kulturelle Unterschiede auf und thematisiert die Globalisierung, und in Maimouna kämpft eine junge Frau in Burkina Faso gegen weibliche Genitalverstümmelung.
DF/EF - deutsche/englische Fassung
OmdU/OmeU - Original mit deutschen/englischen Untertiteln
Limor Phinasov und Yaron Kaftori, Israel/Bolivien 2006
80 min., Dokumentarfilm, DVD, Farbe, OmeU
Die israelischen Filmemacher begleiten Mariso Villozial in ihre Heimat Bolivien. Jahrelang war sie in Israel, um Geld für ihre Familie und ein eigenes Haus zu verdienen. Das Wiedersehen gestaltet sich jedoch anders, als Mariso sich das erträumt hat, denn die Wiedersehensfreude der Familie verkehrt sich sehr schnell geradezu in Feindseligkeit: Marisa findet keinen Zugang zu ihren Kindern, das Haus, das von ihrem Geld gebaut werden sollte, besteht nur aus Grundmauern. Ein ästhetischer, schöner Film über kulturelle Unterschiede und Globalisierung.
Barbara Leibovitz, USA 2007
90 min., Dokumentarfilm, DVD, Farbe, EF
Annie Leibovitz zählt zu den einflussreichsten Portraitistinnen unserer Zeit. Von 1973 bis 1981 war sie Cheffotografin des Rolling Stone Magazins, dessen Stil sie mit ihren intimen Fotos zahlreicher Musiklegenden prägte. Zu ihren bekanntesten Fotografien gehören die Bilder von John Lennon mit Yoko Ono (1980) wenige Stunden vor Lennons Ermordung. Seit 1983 arbeitet sie für Vanity Fair und ist mittlerweile ein Star unter den FotografInnen. Bis zum Tod der bekannten Schriftstellerin und Essayistin führte Leibovitz eine enge romantische Beziehung mit Susan Sontag.
Obwohl Berühmtheiten wie z.B. Demi Moore,
Marcel Schüpbach, Schweiz 2006
96 min., Dokumentarfilm, DVD, Farbe, OmdU
Im Herzen des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien kämpft eine Frau für die Verhaftung der letzten noch flüchtigen Kriegsverbrecher: Chefanklägerin Carla del Ponte. Sie und ihr Team wurden fünf Monate lang bei ihren Bemühungen um die Verhaftung von Ratko Mladic, Radovan Karadzic und Ante Gotovina begleitet.
Del Ponte führt eine unermüdliche Jagd, die ihr jedoch schwer gemacht wird. Da sie nicht über Polizeigewalt verfügt, ist sie auf die – oft fehlende – Mithilfe der betroffenen Staaten angewiesen.
Auch die Mütter von Srebrenica, die während des Massakers 1995 Männer und Söhne verloren, kommen zu Wort. Bei diesen Frauen werden große Zweifel laut, ob die internationale Gerichtsbarkeit je Gerechtigkeit für das begangene Unrecht wird schaffen können. Schon elf Jahre ist das Massaker her. Die Arbeit des Tribunals und von Carla del Ponte geht jedoch dem Ende zu.
Carlas List verschafft durch die wechselnden Szenen zwischen der „kühlen” Ermittlung del Pontes und hochemotionalen Aussagen und Bildern der Frauen im Stile eines „Doku-Thrillers” einen interessanten, hautnahen und ungeschönten Einblick hinter die Kulissen des Tribunals.
Wim Wenders und Fernando Leon de Aranoa
D.R. Kongo/Uganda 2007
50 min., Dokumentarfilm-Episode, DVD, Farbe, OmdU
Die „Invisibles” oder „Unsichtbaren” sind diejenigen, die wir am liebsten gar nicht wahrnehmen wollen, aber auch jene, die sich nicht davon abbringen lassen, sich für diese Menschen einzusetzen. Wim Wenders und Fernando Leon de Aranoa haben für diesen Episodenfilm von Javier Bardem je eine von fünf Episoden beigesteuert.
Wenders erzählt in seiner Episode Invisible Crimes von sexuellen Übergriffen auf Frauen im Kongo. Die Episode Buenas noches, Ouma führte Fernando Leon de Aranoa nach Uganda in ein Gebiet, wo seit 20 Jahren Krieg herrscht. Er gibt einigen der tausenden Kinder ein Gesicht, die jede Nacht vor Entführungen durch eine fanatische Guerillatruppe fliehen.
Der Film enstand in Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen und hat vor kurzem den Goya-Award gewonnen.
Foto: © Wim Wenders
Aysun Bademsoy, Deutschland 1995
45 min., Dokumentarfilm, DVD, Farbe, OF
Sie trainieren zweimal die Woche, und fast jedes Wochenende spielen sie Fußball: 23 Mädchen aus Berlin Kreuzberg vom BSC-Agrispor – der einzigen türkischen Frauen-Fußballmannschaft Europas.
Anfangs war es schwer für die Mädchen, die Erlaubnis der Eltern zu bekommen: Fußball statt im Haushalt zu helfen. Stunden, bei Auswärtsspielen auch Tage, ohne Familienkontrolle.
Mädchen am Ball ist nicht nur das Porträt einer Frauen-Fussballmanschaft, sondern auch einer Mädchenclique, die ständig mit Vorurteilen und Diskriminierung zu kämpfen hat und zwischen Familie, türkischer Kultur, Moralvorstellungen und ihren eigenen Wünschen hin und her gerissen ist.
Fabiola Maldonado und Ulrike Sülzle, Burkina Faso/Deutschland 2006
60 min., Dokumentarfilm, DVD, Farbe, OmdU
Täglich fährt Maimouna mit ihrem Motorroller durch das ländliche Burkina Faso, von Dorf zu Dorf, von Hof zu Hof. Sie hält Vorträge vor der örtlichen Bevölkerung, diskutiert mit Hebammen und BeschneiderInnen und versucht, die lokalen Autoritäten von ihrem Anliegen zu überzeugen. Maimouna arbeitet für die Organisation „Bangr Nooma” (in etwa „Es gibt nichts Besseres als Wissen”), die gegen die weibliche Genitalverstümmelung kämpft. Diese Praktik ist zwar seit 1996 verboten, aber dennoch nach wie vor weit verbreitet in Burkina Faso. Ungefähr vier Millionen Mädchen und Frauen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO betroffen.
Die Dokumentation begleitet die junge Maimouna bei ihrem täglichen oft mühsamen Kampf gegen Vorurteile, Scham und Angst und portraitiert nicht nur die Vorgehensweisen von „Bangr Nooma” im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung, sondern auch eine junge, außergewöhnlich starke und kämpferische Frau.
Ein Film, der ohne voyeuristisch zu sein oder den moralischen Zeigefinger zu erheben, der Frage nachgeht, warum weibliche Genitalverstümmelung nach wie vor praktiziert wird, und der vom langwierigen und oft beschwerlichen Kampf dagegen erzählt.
Beth und George Gage, USA 2006
75 min, Dokumentarfilm, DVD, Farbe, EF
Beth und George Gage haben in ihrem Film Our Land, Our Life einen Kampf zwischen zwei ungleichen Gegnern aufgezeichnet. Auf der einen Seite sind zwei über 70-jährige beherzte Western-Shoshone Schwestern – Carrie und Mary Dann, die ihre Ranch ohne fremde Hilfe instand halten und wilde Pferde züchten. Auf der anderen Seite steht die US-Regierung, die seit 1974 ungesetzlich einen Kampf gegen die Schwestern begonnen hat, um die Ranch zu enteignen und das Gebiet der indigenen Bevölkerung für wirtschaftliche Zwecke rücksichtslos auszubeuten. Der Streit zwischen den Danns und den Vereinigten Staaten hob sich bis zum Obersten Gericht ab und wütete darüber hinaus.
Our Land, Our Life offenbart schockierende Information über Verbrechen, die auch heute noch gegen Indianer begangen werden. Für ihr Engagement erhielten die Schwestern 1993 den Alternativen Nobelpreis.
Sandra Krampelhuber, Österreich/Jamaica 2006
74 min., Dokumentarfilm, DVD, Farbe, OmdU
Jamaica, Insel der Tonstudios: Sandra Krampelhuber untersucht erstmals die lang vernachlässigte Situation von Frauen in Reggae und Dancehall. Drei Generationen Frauen berichten von ihren ersten Schritten im Musikgeschäft, ihrem Kampf um Akzeptanz und Anerkennung sowie ihren Erfolgen in dieser männlich dominierten Musikszene. Ihre rhymes und plates sowie ihr Selbstverständnis oszillieren zwischen Emanzipation, Religiosität und „slackness” (sexuelle Freizügigkeit).
Neben so berühmten Musikerinnen wie Marcia Griffiths, Sasha, Queen Ifrica, Macka Diamond und Lady G werfen Frauen aus Wissenschaft und Management – unter anderem Dr. Carolyn Cooper (Professorin für Cultural Studies, University of the West Indies), Barbara Makeda Blake Hannah (Rastafari Aktivistin, Journalistin) und Sandra Joy Alcott (Begründerin der Jamaican Association of Female Artists) – nicht nur einen weiblichen Blick auf die jamaikanische Musikszene, sondern stellen auch sozio-kulturelle Einsichten in das Dancehall-Milieu zur Verfügung, die von der oberflächlichen Rezeption der Massenmedien abweichen.
Foto: © Philipp Kroll
Susanne Brandstätter, Österreich/Kosovo 2006
99 min., Dokumentarfilm, DVD, Farbe, OmdU
UNO-Richterin Claudia Fenz kommt in Prizren optimistisch und voll mit Illusionen an. Die österreichische Richterin soll helfen, Gesetzmäßigkeit und Demokratie im Kosovo zu etablieren. Aber die Frustrationen werden von Tag zu Tag größer.
Der Dokumentarfilm studiert die Versuche von Fenz, Demokratie in einem Land zu gründen, wo das Konzept größtenteils unbekannt ist. Der Film von Susanne Brandstätter erläutert anhand von einzelnen Geschichten eine Grundfrage unserer Gesellschaft: unser Konzept von Recht und Unrecht gegen das Konzept einer anderen Gesellschaft.
Susanne Brandstätter wurde für Rule of Law mit dem Wiener Filmpreis 2007 ausgezeichnet.
Ellen Bruno, Thailand/Burma 1999
50 min., Dokumentarfilm, DVD, Farbe, EF
Jährlich werden tausende junge Mädchen aus burmesischen Bergdörfern rekrutiert, um für die Sexindustrie im benachbarten Thailand zu arbeiten. In illegalen Bordellen werden sie in jahrelanger Schuldensklaverei gehalten und erleiden extremen Missbrauch durch Zuhälter, Klienten und die Polizei.
In ihrem ernüchternden, aber dennoch poetischen Film Sacrifice präsentiert Ellen Bruno die außerordentlich bewegend erzählten Geschichten von vier jungen Mädchen aus Burma, die aus ihren Dörfern nach Thailand verschleppt und zu einem Leben in Prostitution gezwungen wurden. Wie in all ihren Filmen geht Bruno mit der Absicht, harte Wahrheiten aufzudecken, an schwierige Themen heran, um Menschen, die allzu oft marginalisiert werden, eine Stimme zu geben.
Uli Bez, Deutschland 2007
70 min., Dokumentarfilm, DVD, Farbe, OF
Von heute an! ist ein Ausflug nach „Altlesbenhausen”, ein Besuch bei Anke Schäfer, Begründerin des Frauenliteratur Vertriebs, Bücherfrau von 1998 und Bundesverdienstkreuz-Trägerin, in ihrer Altersresidenz in Charlottenberg.
Durch die Gegenwart zeigt Filmemacherin Uli Bez einen unsentimentalen Rückblick auf ein von der Liebe zur Literatur bewegtes Frauenleben, den Kampf für Frauenhäuser, sowie Begründung der ersten Frauenbuchhandlung in Wiesbaden 1977 und des Vereins SAFIA 1986.
Im Soundtrack ist die Musik der Bands Kassandra und Flying Lesbians, sowie Lieder von Caroline Brauckmann zu hören. Ein Stück Frauenkultur und Frauenpolitik-Geschichte ...