FrauenFilmTage
 

Spielfilme

 

Preisgekrönte Spielfilme aus unterschiedlichsten Regionen dieser Erde, von Iran bis Israel, von Deutschland bis Kanada, werden dieses Jahr im Rahmen der FrauenFilmTage zu sehen sein.

Aus der Türkei kommt der Film Zwei Mädchen aus Istanbul („Iki genc kiz”) von Kutlug Ataman. Ein Drama über jugendliches Leben in der modernen Türkei, das in seinem Produktionsland bereits vielfach ausgezeichnet wurde.

Aus dem Libanon stammt der farbenfrohe Erstlingsfilm der libanesischen Regisseurin (und Hauptdarstellerin) Nadine Labaki: Caramel. Die ironisch-hintergründige Komödie über fünf Frauen in einem Schönheitssalon in Beirut hat bereits die Herzen des Publikums in San Sebastian im Sturm erobert und den begehrten Publikumspreis gewonnen.

Ebenfalls im Programm aus dem Iran Atash Bas („Cease Fire”) von der iranischen Starregisseurin Tamineh Milani. Er zeigt die Emanzipation einer jungen Ehefrau und stellt so die iranische Ehe auf humorvolle Weise auf den Prüfstand.

Zwei junge Frauen stellt auch der US-amerikanische Film The other Boleyn Girl („Die Schwester des Königs”) in den Mittelpunkt. Regisseur Justin Chadwick inszenierte ein opulentes Kostümdrama, das das Leben der Boleyn-Schwestern (in Gestalt von Natalie Portman und Scarlett Johannson) am englischen Hof des 16. Jahrhunderts beleuchtet.

Im Gegensatz zu dieser opulenten Tragödie ist Jellyfish, eine französisch-israelische Produktion, ein schwebend-leicht gestalteter Spielfilm über drei Frauen, die Kindheit und das Leben, der einem ans Herz geht.

It’s a free world von Starregisseur Ken Loach zeigt anhand des Schicksals einer jungen Engländerin das Elend unserer Vorstädte sowie die Gewinner und Verlierer unserer „freien Welt”. Dieser Augen-öffnende und unter-die-Haut-gehende Film wurde bereits auf den Filmfestivals von Venedig und Sevilla mit Preisen ausgezeichnet.

In La capture bearbeit die Regisseurin Carole Laure auf ungewöhnliche, poetische Weise das Thema Gewalt. Ein träumerischer, manchmal skurril anmutender Film mit außergewöhnlichen stilistischen Mitteln.

Aus Deutschland kommt der neue Spielfilm von Maria Speth, der hessische Filmpreis-Gewinner Madonnen über eine Mutter, die so gar nicht in das Rollenbild passen will – ein unbequemer Film und doch voll Sehnsucht und Liebe. Mit dabei auch Tussenstand, ein bewegendes Familienporträt aus den Niederlanden von Mijke de Jong.

 

DF/EF - deutsche/englische Fassung
OmdU/OmeU - Original mit deutschen/englischen Untertiteln


Atash Bas (Cease Fire)

Tahmineh Milani, Iran 2006
105 min., Spielfilm, 35mm, Farbe, OmeU

Die iranische Starregisseurin Tahmineh Milani präsentiert ihren neuesten Film "Cease Fire", der die moderne iranische Ehe humorvoll auf den Prüfstand stellt und im Kontrast zu ihren zahlreichen feministischen Filmen steht.

Die Bauingenieurin Sayeh und der Bauunternehmer Yousef haben sich bei der Arbeit kennen und lieben gelernt. Ihre nunmehr zwei Jahre andauernde Ehe wird jedoch von ständigen Zankereien bestimmt, bei denen sie sich verbale Feuergefechte liefern. Eigentlich hatte Sayeh einen Scheidungsanwalt gesucht, doch stattdessen landet sie auf der Couch eines Therapeuten und berichtet aus ihrem Eheleben. Dabei wird bald deutlich, warum sich das Ehepaar wie Katz und Maus verhält.

Mit viel Humor erzählt der iranische Film von einer jungen Frau, die sich von der chauvinistischen Männerwelt emanzipiert.

Caramel

Nadine Labaki, Libanon/Frankreich 2007
95 min., Spielfilm, 35mm, Farbe, OmdU

5 Frauen und 1 Schönheitssalon in Beirut. Dort treffen sie sich regelmäßig zur Schönheitspflege und um sich auszutauschen. Zwischen Kosmetikbehandlungen und Haarschnitten vertrauen sich die Frauen ihre verborgenen Wünsche und Sehnsüchte an. So steckt Layale in einer Beziehung mit einem verheirateten Mann. Nisrine steht kurz vor ihrer Hochzeit und ist keine Jungfrau mehr, Rima fühlt sich zu Frauen hingezogen, Jamal will sich nicht mit dem Älterwerden abfinden. Und Schneiderin Rose, aus dem Laden nebenan, lernt ihre erste große Liebe kennen.

Der farbenfrohe Erstlingsfilm von Regisseurin und Hauptdarstellerin Nadine Labaki um fünf Frauen und den von Situationskomik getragenen Kampf mit ihren Vorstellungen von Emanzipation zeigt das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne im heutigen Libanon auf ironisch-hintergründige Weise auf und erhielt den Publikumspreis in San Sebastian.

It's a free world

Ken Loach, D/I/ES/GB 2007
96 min., Spielfilm, 35mm, Farbe, OmdU

Angie, 33, hat zwar keine höhere Ausbildung, dafür aber Power, Witz und Ambitionen – nämlich ihr Leben endlich selbst in die Hand zu nehmen. So entscheidet sie sich, nach einer weiteren Entlassung, ihr Wissen zu nutzen und gründet mit ihrer Zimmerkollegin Rose eine eigene „Agentur”, wo die beiden Frauen billige ausländische Arbeitskräfte für englische Arbeitgeber rekrutieren.

Doch Angie gerät dabei immer tiefer in einen teuflischen Strudel aus Betrug, Skrupellosigkeit und moralischem Verfall. Sie zerkracht sich mit ihrer Familie und vernachlässigt ihren Sohn. Schlussendlich wirft auch Rose das Handtuch, und Angie wächst die Sache endgültig über den Kopf.

Ken Loachs neuestes Werk geht unter die Haut und öffnet die Augen. Es zeigt das Elend in unseren Vorstädten, sowie die wenigen Gewinner und vielen Verlierer unser „freien Welt”.

It’s a free world erhielt auf den Filmfestivals Venedig und Sevilla Auszeichnungen als „Bestes Drehbuch” bzw. „Bester Film”.

Jellyfish (Meduzot)

Shira Geffen und Etgar Keret, Frankreich/Israel 2007
78 min., Spielfilm, 35mm, Farbe, OmdU

Keren, Batya und Joy – drei Frauen zwischen Traum und Realität im heutigen Tel Aviv. Keren bricht sich bei ihrer Hochzeitfeier das Bein. Statt in der Karibik muss sie ihren Urlaub in verschiedenen Hotelzimmern der Heimatstadt verbringen, wo sie auf eine schöne und geheimnisvolle Dichterin trifft. Batya, die als Kellnerin arbeitet, findet am Strand ein merkwürdiges Mädchen. Ist es ihre Tochter? Batya nimmt es mit und erfährt durch sie ihre eigene Kindheit. Die Philippinin Joy arbeitet als Haushaltshilfe und Pflegerin. Ihrem Sohn will sie seinen lang gehegten Wunsch, ein Segelschiff, erfüllen.

In diesem romantischen Spielfilm treffen sich die Frauen wie zufällig und treiben, wie Strandgut am Meer, wieder auseinander.

Meduzot wurde 2007 in Cannes gefeiert und als bester Debütfilm mit der Caméra d'Or ausgezeichnete.

„Voller Charme, Poesie und Rätselhaftigkeit, zwischen Komik und Tragik. In den Farben des Lebens.” (Le Figaroscope).

Meduzot ist ein zärtlicher Film über das Distanzierte, er ist ein melancholischer Film über das Groteske, ein humorvoller Film über die Traurigkeit.” (Trigon-Film)

La Capture

Carole Laure, Frankreich/Kanada 2007
94 min, Spielfilm, Farbe, DVD, OmeU

Rose führt ein schönes, intensives Leben mit ihrem Freund. Manchmal holen sie jedoch die Erinnerungen aus der Vergangenheit ein: Tanzende Beine etwa – Bilder aus ihrer Kindheit. Doch was stimmt hier nicht? Immer deutlicher wird klar, Gewalt in der Familie ist mit im Spiel.

Von zu Hause ausgezogen war sie der Gewalt bereits entkommen, aber ein Besuch bei ihrer Mutter bringt wieder Unruhe in ihr Leben. Wie selbstverständlich übernimmt Rose nun die Führung in der Familie und fordert ihren Vater heraus. Sie beschließt, ihn zu entführen. Sie will eine Erklärung, eine Entschuldigung für das Erlebte, und endlich möchte sie ihre Mutter von ihm lösen.

La Capture ist vor allem in den symbolhaften Momenten stark. Sehr schön sind die skurril eingesetzten Mittel im Kampf zwischen Tochter und Vater – die älteren Damen, oder die intensiven Blicke der Tiere.

Official Selection in Locarno 2007.

Madonnen

Maria Speth, Deutschland 2007
124 min., Spielfilm, 35mm, Farbe, OF

Im Mittelpunkt des Filmes steht Rita. Rita hat 5 Kinder von verschiedenen Vätern, und Probleme mit der Polizei. Sie muss eine längere Haftstrafe antreten, die Kinder bringt sie unterdessen bei ihrer Mutter unter. Rita erfüllt nicht die Erwartungen, die an sie als Mutter gestellt werden. Sie geht gerne aus, lernt neue Männer kennen und will Spaß haben. Trotzdem ist es ihr wichtig, dass alle Kinder bei ihr sind. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, setzt sie alles daran, eine eigene Wohnung zu bekommen. Kann sie die Erwartungen der Kinder und der Umwelt erfüllen?

Maria Speth über ihren Film: „Jeder scheint zu wissen, was eine Mutter darf und was nicht. Und die Verletzung dieser Rollenerwartungen wird mit massiven moralischen Sanktionen belegt. Im Gegensatz zu den Rollenverletzungen der Väter. Die gesellschaftliche Wirklichkeit ist aber voll von Müttern, die ihre Rolle nicht so erfüllen, wie von ihnen erwartet.”

Madonnen erhielt den hessischen Filmpreis 2007, sowie den „Best Actress Award Mar del Plata”.

The Other Boleyn Girl (Die Schwester der Königin)

Justin Chadwick, USA 2007
115 min., Spielfilm, 35mm, Farbe, EF

Anne Boleyn muss in ihren jungen Jahren mit ihren Geschwistern Mary und George das einfache Landleben hinter sich lassen und wird von ihrem ehrgeizigen Onkel am englischen Hof eingeführt, um den Status der Familie zu erhöhen. Doch Anne kann die Gunst des Königs nicht erlangen, fällt in dessen Ungnade und wird zu einem Zwangsaufenthalt im Kloster verdammt. Währenddessen wird Mary zur Mätresse Heinrichs VIII. Als Anne jedoch zurückkehrt, ist sie zu einer selbstbewussten Frau geworden, die mehr erreichen möchte, als nur eine Mätresse zu werden – sie strebt nach wirklicher Macht. Tatsächlich gelingt es ihr mit Klugheit und Charme, die Zuneigung des Königs zu erlangen und schon bald ihre Schwester als Geliebte abzulösen. Ihr leidenschaftlicher Ehrgeiz führt in Folge sogar zur Annullierung der Ehe von Heinrich und seiner langjährigen Frau und Anne auf den Thron Englands, der ihr schließlich zum Verhängnis wird.

The Other Boleyn Girl („Die Schwester der Königin”), basierend auf dem Bestseller von Philippa Gregory, ist eine romantische Tragödie, ein Puzzle aus Verrat, Leidenschaft und Liebe. Europa im religiösen Umbruch und die Tücken des Lebens am Hof sind die Leinwand für dieses sinnliche Gemälde des 16. Jahrhunderts, ein opulentes Kostümdrama, das hinter die Kulissen der Geschichtsschreibung blickt.

Tussenstand

Mijke de Jong, Niederlande 2007
80 min, Spielfilm, DVD, Farbe, OmeU

Isaac ist 17, und anstatt sich mit seinen Eltern zu unterhalten, flieht er lieber in die Realitäten fremder Menschen, in deren Wohnungen er sich manchmal heimlich einschleicht. Seine Eltern, Roos und Martin, haben sich vor kurzem scheiden lassen. Zu gefangen sind sie deshalb noch in ihrer eigenen ungelösten Kommunikations-Misere, als dass sie eine konstruktive Lösung für das Abkapseln des Sohnes finden könnten. Während Isaac seine Kommunikation vollkommen abgebrochen hat, müssen die beiden erst für sich selbst eine neue Art miteinander umzugehen finden. Einzig das Ausprobieren von Neuem, angedeutet durch den Besuch verschiedener internationaler Restaurants, lässt auf eine Änderung der Situation hoffen, wenn die Trennungskrise überwunden ist.

So distanziert, ruhig und unbewegt die Filmbilder den Sohn porträtieren, so nah und bewegt, ähnlich dem Dogma-Stil aufgenommen, sind die hervorragend von Elsie de Brauw und Marcel Musters gespielten Gespräche der Eltern. Formal schön gelöst wiederholen sich diese in immer ähnlichen Situationen.

Zwei Mädchen aus Istanbul (Iki genc kiz)

Kutlug Ataman, Türkei 2006
107 min., Spielfilm, 35mm, Farbe, OmdU

Behiye ist intelligent, gebildet, freigeistig – und in ihrem Leben gefangen. Ihr Bruder zwingt sie in eine untergeordnete Frauenrolle, wie die ihrer Mutter. Behiye rebelliert, aber ihre häufigen Wutausbrüche beeindrucken ihre konservative Familie wenig.

Handan ist das Gegenteil von Behiye: hübsch, lebensfroh und voller Träume. Mit ihrer Mutter Leman, die sich von reichen Männern aushalten lässt, seit Hadans Vater sie vor Jahren verlassen hat, verbindet sie eine Hassliebe.

Als Behiye und Handan sich treffen, scheint alles möglich. Sie wollen ein anderes Leben führen als das ihrer Mütter, und sie wollen weg aus Istanbul.

Basierend auf Perihan Magdens kontroversem Bestseller ist Kutlug Atamans dritter Spielfilm ein Drama über jugendliches Leben in der modernen Türkei. Sein Erfolg ist eine Überraschung. In der Türkei hat Kutlug Atamans Spielfilm Zwei Mädchen aus Istanbul („Iki genc kiz”) viele wichtige Preise gewonnen: Auf den Festivals in Antalya und Ankara gab es Auszeichnungen als Bester Film, in Istanbul wurde Ataman als Bester Regisseur prämiert.

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