

Annäherung und Freude, Hoffnung, Verlust und Enttäuschung, all das kommt vor in der gezeigten Auswahl internationaler Spielfilme bei den diesjährigen FrauenFilmTagen.
DF/EF - deutsche/englische Fassung
OmdU/OmeU - Original mit deutschen/englischen Untertiteln
Malgoska Szumowska, Polen 2008,
Spielfilm, 96 Min, Farbe, 35mm, OmeU
Julia, eine junge, erfolgreiche Fotografin, ist in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen. Sie lebt glücklich in der Nähe der Eltern – der Vater Filmemacher, die Mutter Schriftstellerin – mit ihrem liebevollem Ehemann, einem Komponisten. Unter den Familienmitgliedern herrscht Zuneigung und gegenseitige Bewunderung. Das Familienglück wird jäh gestört, als bei ihrer Mutter eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird.
Der drohende Verlust der Mutter zeigt bei allen Wirkung: Julia flüchtet sich in ihre Arbeit, mit ihrer Schwester gibt es Reibereien, bei denen alte Familienkonflikte wieder aufbrechen und beim Vater wendet sich der Kummer gegen ihn selbst.
Julias Leben gerät aus dem Gleichgewicht und belastet sowohl ihre Partnerschaft als auch ihre Freundschaften. Für Julia beginnt die Zeit des Erwachsenwerdens.
Filmfest Locarno 2008: Spezialpreis der Jury.
In Kooperation mit: 
Courtney Hunt, USA 2008,
Spielfilm, 97 Min, Farbe, 35mm, OmdU
Ray lebt mit ihren zwei Kindern in einem kleinen und schlecht isolierten Fertighaus in einem Ort an der Grenze des Staates New York zu Kanada. Ihr Mann ist spielsüchtig und hat sich mit dem Geld, das für den Kauf eines neuen Hauses bestimmt war, davongemacht. Auf der Suche nach ihrem Mann lernt sie die Mohawk-Indianerin Lila kennen, die ebenfalls in einer verzweifelten Lage ist. Seit dem Tod ihres Mannes ist sie aus der Gemeinschaft ausgestoßen.
Lila zwingt Ray mit ihr gemeinsam Immigranten illegal über den gefrorenen Saint Lawrence Fluss zu schmuggeln. Nachdem der Transport gelingt, beginnt auch Ray über die neue Einkommensquelle und über das schnelle Geld nachzudenken.
Zwei Oscar-Nominierungen 2009 für Melissa Leo als Ray (Beste Hauptdarstellerinnen) und für Courtney Hunt (Bestes Drehbuch) und viele weitere Auszeichnungen.
Sophie Laloy, Frankreich 2009,
Spielfilm, 96 Min, Farbe, 35mm, OmeU
Marie verlässt ihr Zuhause, um in Lyon zu leben und dort am Konservatorium zu studieren. Aus Kostengründen teilt sie sich die Wohnung mit Emma, einer Freundin aus der Kindheit, die nach dem Tod des Vaters - und von der Mutter im Stich gelassen - bisher allein gelebt hat. Marie fügt sich den Regeln, die Emma für die Wohngemeinschaft aufstellt, auch wenn sie nicht mit allem einverstanden ist. Marie ist fasziniert von Emma und ihrer weltgewandten Art. Emma wiederum versucht, Marie zu dominieren und sie ganz für sich zu gewinnen. Die Beziehung der beiden wird erschüttert, als Emma sich in Marie verliebt. Marie schwankt zwischen einer Beziehung zu Emma und dem Wunsch, sich ihr zu entziehen.
Je te mangerais ist der erste Spielfilm von Sophie Laloy, der sich zwischen Thriller, Drama und Amour fou bewegt.
Valerie Donzelli, Frankreich 2009,
Spielfilm, 84 Min, Farbe, DVD, OmeU
Eine Welt bricht für Adèle zusammen, als ihr Freund Mathieu mit ihr Schluss macht. Um über ihn hinwegzukommen, zieht sie zu ihrer Cousine Rachel. Widerwillig nimmt diese Adèle bei sich auf, doch als sie merkt, wie schlecht es um ihre Verwandte steht, besorgt sie ihr einen Job und rät ihr zu Rendezvous mit anderen Männern – was Adèle auch prompt befolgt.
Valérie Donzelli, die die Figur der Adèle selbst spielt, zeichnet auf humorvolle Art und Weise das Bild einer verlassenen Frau, die mit der Zurückweisung nur schwer zurecht kommt und erst durch die Eskalation wieder ins Leben – und zu sich selbst – zurückfindet.
Urszula Antoniak, Niederlande/Irland 2009,
Spielfilm, 85 Min, Farbe, 35mm, OmdU
Anne verschenkt ihr gesamtes Hab und Gut und fährt als Tramperin nach Irland. Sie will alleine sein und weit weg von ihrem alten Leben. Auf ihrer Reise macht sie Halt auf einer kleinen Insel mit einem beschaulichen kleinen Haus. Der Besitzer, ein Witwer, gewährt ihr Essen gegen Arbeit. Anne willigt ein unter der Bedingung, dass es keine persönlichen Gespräche gibt. Sie will keine Nähe. Zu Beginn halten beide die Vereinbarung ein, doch im Laufe der gemeinsam verbrachten Zeit steigen auf beiden Seiten die Lust und der Wunsch, mehr über den Anderen zu erfahren.
Urszula Antoniak ist ein bewundernswertes Spielfilmdebüt gelungen. Mit viel Einfühlungsvermögen und Lebenserfahrung erzählt sie die Geschichte von Trennung, Kennen lernen, Annäherung und Verlust.
Filmfest Locarno 2009:
Preis für die Beste Darstellerin, Lotte Verbeek,
Preis der Filmkritik FIPRESCI und
Youth Jury Award.
Foto: © Rinkel Film & TV Johnny Savage
Helene Hegemann, Deutschland 2008,
Spielfilm, 45 Min, Farbe, DVD, DF
Mia ist fünfzehn und durch den Tod der Mutter traumatisiert. Sie zieht zu ihrer Tante Cleo nach Berlin und wird somit in deren Leben und die alternative Kulturszene Berlins katapultiert. Statt eines geregelten Familienverhältnisses findet sie dort eine skurrile Erwachsenenwelt, die viel schräger ist, als es Mia für möglich gehalten hätte.
Das Erstlingswerk des erst 16-jährigen Regietalents Helene Hegemann wurde 2009 mit dem Max-Ophüls-Preis für mittellange Filme ausgezeichnet.
Gesine Danckwart, Deutschland 2009,
Spielfilm, 87 Min, Farbe, 35mm, DF
Gesine Danckwart, deren Theatertexte und Projekte weltweit gespielt werden, zeigt in ihrem Spielfilmdebüt sechs Protagonistinnen über dreißig - von der Politikerin bis zum Barmädchen - im alltäglichen Wahnsinn des einfachen Überlebens. Diese Frauen sind stark und alleine, selbstständig und eigenwillig; agieren in Innen- und Außenräumen ... rastlos, suchend, stets an der Kippe.
Ein ungewöhnlicher Film, der mit seiner unkonventionellen bis avantgardistischen Machart fasziniert. Abseits des klassischen Erzählkinos gewährt er tragikomische Einblicke in aktuelle Befindlichkeiten; in das Theater des Lebens – der ständigen Wiederholung von Drama und Komödie. Was kann man tun? - Reden, kämpfen, warten, lieben – UmdeinLeben! (mit Caroline Peters und Maren Kroymann)