19.5.2009 – „Weiberleut” Zusatzvorstellung

Wegen des grossen Andrangs bei der Weltpremiere des Films „WEIBERLEUT”, bei der nicht alle BesucherInnen Karten erhalten konnten, gab es die Möglichkeit, den Film nochmals zu sehen:

    am Dienstag 19.5.2009 um 20 Uhr
    im Filmcasino, Margartenstr. 78, 1050 Wien.

Der Film im Detail

Gertraud Schwarz, Österreich 2009,
Dokumentarfilm, 103 Min, Farbe, BetaSP, DF

Als Bäuerin alleine einen Hof zu führen, ist in der traditionell noch immer sehr stark mit Familie verbundenen Landwirtschaftsbranche nicht immer einfach. Wie geht es Frauen am Land, wenn sie als ‚Männerarbeit’ gesehene Tätigkeiten verrichten? Finden sie Akzeptanz und Anerkennung in der Gemeinschaft? Wie schaffen sie die ganze Arbeit, die auf anderen Höfen von zwei oder mehreren Leuten erledigt wird? Mit durchaus sehr unterschiedlichen Herangehensweisen meistern die sechs im Film porträtierten österreichischen Bäuerinnen die Herausforderungen des täglichen Lebens.

Margret hat ihren Hof gepachtet und kann vom erwirtschafteten Geld gerade so überleben. Sie würde die Arbeit am Hof, die ihr die Freiheit gibt, selbständig zu sein, aber gegen nichts eintauschen wollen. Anna fährt über steile Berghänge und ist sehr froh darüber, dass sie ihren kleinen Bergbauernhof und die teuren Maschinen mit einer Skihütte finanziell unterstützen kann. Greti betreut ihre Schweine, rattert über den Acker und trifft sich mit ihrer Frauengruppe. Christine hätte oft wegheiraten können, was hätte dann aber ihre Familie gemacht? Und Claudia’s Mutter wünscht sich, dass Claudia einmal einen Mann und eine Familie hat, aber was hat Claudia dazu zu sagen?

Die Regisseurin Gertraud SCHWARZ

|: Gertraud SCHWARZ :| ©
 

Nach der Ausbildung zur Fotografin am Kolleg für Fotografie absolvierte Gertraud Schwarz das Studium der visuellen Mediengestaltung an der Universität für angewandte Kunst. Dort entstanden vor allem Kurzvideos, Videoinstallationen und interaktive Installationen. Seit 1997 arbeitet sie freiberuflich als Kamerafrau. Mit der Arbeit an Dokumentarfilmen beschäftigt sie sich seit 2002.

 

Das Interview zum Film

proFRAU: Wie bist du auf das Thema der Bäuerinnen, die alleine den Hof bewirtschaften, gekommen?

G. Schwarz: Meine Familie hat bäuerliche Wurzeln. Einmal, als ich mit meinen Eltern am Land unterwegs war, ist eine Bäuerin mit ihrem Traktor herumgeflitzt und meine Eltern haben erzählt, dass sie den Hof alleine bewirtschaftet. Das Thema hat mich interessiert und ich dachte, es ist ein gutes Thema für einen Dokumentarfilm. Außerdem ist es in der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt, dass es Bäuerinnen gibt, die ihre Höfe alleine führen.

Wie hast du deine Bäuerinnen gefunden?

Ich platzierte Ausschreibungen in bäuerlichen Zeitungen, habe Freunden und Bekannten erzählt, dass ich auf der Suche nach solchen Bäuerinnen bin oder habe Anfragen an bäuerliche Vereinigungen geschickt und diese Organisationen haben die Info weitergeleitet.

War es schwierig Frauen zu finden?

Auf die Zeitungsannocen haben sich nicht viele gemeldet, aber über die bäuerlichen Vereinigungen habe ich doch einige Kontakte bekommen. Schwierig war es dann zum Teil auch, die Zusage der Frauen zu bekommen, dass sie im Film mitmachen.

Welche Gründe haben dagegen gesprochen?

Ihre persönlichen Geschichten und die Geschichten im Zusammenhang mit der Übernahme des Hofes waren oft nicht einfach. Die Frauen haben überlegt, ob sie das in der Öffentlichkeit so präsentiert haben möchten.

Hast du Kriterien angelegt, die die Bäuerinnen erfüllen mussten?

Ein wichtiges Kriterium war natürlich, dass die Frauen den Hof alleine leiten. Ursprünglich sollten es verschiedene Höfe sein, mit verschiedensten Landwirtschaftsformen. Dominant im Westen Österreichs ist aber vor allem die Rinderwirtschaft. So hat es sich dann ergeben, dass von den 6 Bäuerinnen 5 Frauen in der Milchwirtschaft oder Mutterkuhhaltung arbeiten. Die 6.te Bäuerin betreibt Ackerbau und eine Schweinezucht.

Aus welchen Regionen Österreichs kommen die Bäuerinnen nun?

Oberösterreich, Salzburg, Osttirol, Steiermark.

Wie lange haben die Dreharbeiten gedauert?

Mein Plan war, bei jeder Frau ein Jahr lang zu drehen, um auch verschiedene Jahreszeiten im Film zu haben. Ich habe versetzt zu drehen begonnen und einige Protagonistinnen sind erst später dazugekommen, weshalb die Dreharbeiten dann fast zwei Jahre gedauert haben. Oft war auch die Witterung für bestimmte Drehs nicht geeignet und sie wurden immer wieder verschoben. Bestimmte Sequenzen, zum Beispiel das Fahren auf steilen Berghängen, wollte ich aber unbedingt im Film haben und es hat einfach eine Weile gedauert, bis ich diese Aufnahmen machen konnte.

Die Jahreszeiten sind jetzt nicht der rote Faden des Films.

Die Jahreszeiten kommen vor, aber versteckt, was mir jetzt im Nachhinein eigentlich gut gefällt. Wichtig waren mir immer die Außenarbeiten auf dem Hof. Auf der bildlichen Ebene wird der Film durch die Arbeiten im Freien strukturiert, die das ganze Jahr anfallen. Ich wollte die Bäuerinnen nicht traditionell in der Küche zeigen, sondern vor allem dabei, wie sie die körperlich schweren Außenarbeiten und das Arbeiten mit den Maschinen durchführen. Die Frauen selbst erzählen aus ihrer Lebensgeschichte. Sie berichten von den Anfangsschwierigkeit, was sie lernen mussten, um erfolgreich bestehen zu können oder auch wie sie sich die Zukunft vorstellen.

Du hast ja auch den Schnitt gemacht. Welche Herausforderungen gab es dabei?

Von Anfang an war in der Filmstruktur geplant, die gleichen Arbeitsprozesse bei mehreren Frauen zu zeigen und auch Arbeitsrhythmen waren mir sehr wichtig. Alle Frauen sollten möglichst gleichwertig präsentiert werden. Der Aufbau dieser Filmstruktur bei so vielen Protagonistinnen musste dann gut überlegt sein. Wie diese Wiederholungen ablaufen, hat sich auch im Laufe des Schnittes verändert.

Gibt es schon weitere Pläne?

Abgesehen davon, dass es auch andere Filmpläne gibt, sind während der Arbeit zu diesem Film noch einige Ideen entstanden, wie landwirtschaftliche Arbeitswelten dargestellt werden könnten und ein paar Ursprungsideen hatten in diesem Film auch nicht mehr Platz. Deshalb würde ich gerne noch einen Film zu diesem Thema machen, der sich nochmals verstärkt mit Rhythmus und Arbeitsabläufen beschäftigt.

Danke Gertraud Schwarz für das Gespräch!

Die Fotos vom Abend

 
(Foto: © C.C.Amsuess)
Nach dem Film gab es eine Reihe von Fragen an die Bäuerin
Claudia Lumplecker (links), die Regisseurin Gertraud Schwarz (Mitte),
moderiert von Gabriele Frimberger, proFRAU (rechts).

 

(Foto: © C.C.Amsuess)
Gertraud Schwarz in der Diskussion.

 

(Foto: © C.C.Amsuess)
Bäuerin Claudia Lumplecker im Foyer des Filmcasinos.

 

(Foto: © C.C.Amsuess)
Nach der Diskussion gab es eine Weinkost von
Winzerin Michaela Jöbstl aus Langenlois (rechts).

 

 

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