28.11.2006–9.1.2007 – „Mutterglück?”

Vom 28.11.2006 bis 9.1.2007 zeigten wir an vier Abenden internationale Spielfilme. Die Filmreihe, die wir provokant „Mutterglück?” tauften, zeigte jedoch alles andere als ein unbeschwertes beschauliches Bild der Mutterschaft.

Vor dem Hintergrund einer wieder restriktiver werdenden Abtreibungspolitik in einigen Ländern der EU und Lateinamerikas thematisierten wir am ersten Abend mit dem französischen Spielfilm Histoire d’un Secret von Mariana Otero die Folgen für ungewollt schwangere Frauen im Falle eines Abtreibungsverbotes. Oteros Mutter starb in den 70er Jahren nach einer selbst durchgeführten Schwangerschaftsunterbrechung an deren Folgen. Jahrelang ließen die Familienmitglieder und die Freunde der Familie die beiden Kinder im Glauben, die Mutter sei an einer Blinddarmoperation gestorben. Auch Jahre später fällt es im Freundeskreis schwer, über die Wahrheit zu sprechen.

Nach dem Film diskutierten wir mit Dr. Dr. Christian Fiala, ärztlicher Leiter von GYNMED, über die aktuelle Situation in Österreich. Auch wenn in Österreich seit vielen Jahren die Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft legalisiert ist, zeigen die vielen Gegner und die Aktivitäten der selbst ernannten LebensschützerInnen, dass dieser Schritt auch heute nur zum Teil akzeptiert ist.

Am zweiten Abend, dem 7.12.2006, konzentrierten wir uns auf ein anderes ganz aktuelles Thema und hinterfragten mit dem Dokumentarfilm „Die Kinder sind tot” die Ursachen und Gründe für Kindestötung bzw. Vernachlässigung. Anzeige zu den FrauenFilmTagen Special „Mutterglück?” Der Filmemacherin Aelrun Goette gelang es, sich der Mutter und Täterin Daniela zu nähern und so einen bewegenden Film über die Alltagssituation in der Familie und den Tathergang zu machen. Wie emotional diese Tat von der Öffentlichkeit beurteilt wurde, zeigte nicht zuletzt auch der Ruf nach Wiedereinführung der Todesstrafe für Daniela. Wie aktuell und emotional beladen dieses Thema auch in Österreich ist, zeigen im Jahr 2006 die Diskussionen und das Urteil rund um den Fall der Kindestötungen in Graz.

Als Diskussionspartnerin stellte sich Dr. Claudia M. Klier, Oberärztin an der Uniklinik mit dem wissenschaftlichen Schwerpunkt „Psychiatrische Erkrankungen im Rahmen von Schwangerschaft und Geburt, Kindesmissbrauch und Kindestötungen” zur Verfügung. Sehr bald wurde in der Diskussion klar, dass in vielen Fällen von Kindesmissbrauch und -tötungen auch die Mütter in ihrer Kindheit Opfer von Missbrauch geworden sind.

Am 14.12.2006 rückten wir mit dem Film „Saniyes Lust” von Sülbiye Günar die Situation der ungewollten Kinderlosigkeit in den Mittelpunkt. Saniye, frisch verheiratet und erfolgreiche Bauzeichnerin, wird in der von ihr und ihrer Familie gewünschten Zeit nicht schwanger und beginnt sehr bald eine Hormontherapie. Der Kinderwunsch wird zu einer fixen Idee und gefährdet auch ihre junge Ehe. Dieser Spielfilm zeigt nicht nur, wie schwierig die ungewollte Kinderlosigkeit für Frauen ist, sondern auch, wie belastend es sein kann, die gesellschaftlichen Erwartungen nach Mutterschaft und Kind nicht erfüllen zu können.

Den Schlusspunkt unserer Filmreihe "FrauenWelten" Special bildete der sozialkritische Film Örökbefogadás (Adoption)” von Márta Mészáros, in dem sich Kata, Witwe und bereits über 40 Jahre alt, ein Kind wünscht. Márta Mészáros ist in ihrem Film nicht nur ein Spiegelbild der ungarischen Gesellschaft der 70er Jahre gelungen, sondern sie bearbeitet auch einfühlsam das Thema des späten Kinderwunsches. Im Jahr 1975 bekam sie für diesen Film den „Goldenen Bären” der Berlinale.

Die Filme

Die Adoption (Örökbefogadás)

Márta Mészáros, Ungarn 1975, 88 Min, 35 mm, Spielfilm, mit englischen Untertiteln

Kata ist Witwe und über 40 Jahre alt. Um ihrer Einsamkeit zu entgehen, wünscht sie sich ein Kind. Als Kindsvater käme ihr verheirateter Liebhaber in Frage, der jedoch möchte keine Komplikationen. Eines Tages lernt sie Anna kennen, ein junges Mädchen aus dem Waisenhaus, und ihre Beziehung verändert ihr Leben.

Ausgezeichnet mit dem „Goldenen Bären” der Berlinale 1975.

Die Kinder sind tot

Aelrun Goette, Deutschland 2003, 84 Min, 35 mm, Dokumentarfilm

Im Sommer 1999 verdursten in Frankfurt/Oder zwei kleine Kinder. Ihre Mutter Daniela hatte sie 14 Tage in ihrer Neubauwohnung allein zurückgelassen, um bei ihrem neuen Freund zu leben. Die Menschen sind empört und fordern die Höchststrafe, die Vertreterin des Jugendamts ist fassungslos.

Schrittweise und einfühlsam nähert sich die Regisseurin der jungen Frau, befragt Nachbarinnen und Freundinnen und enthüllt so langsam das Leben Danielas bis zur Katastrophe.

Ausgezeichnet mit dem deutschen Filmpreis Lola als „Bester Dokumentarfilm 2004”

Histoire d'un secret

Marina Otero, Frankreich 2003, 101 Min, Farbe, 35 mm, Dokumentarfilm mit englischen Untertiteln

„Als ich viereinhalb war, verschwand meine Mutter. Unsere Familie erzählte mir und meiner Schwester, dass sie nach Paris gegangen war,um zu arbeiten. Eineinhalb Jahre später gab unsere Großmutter zu, dass sie an einer Blinddarmoperation gestorben war.”

Jahre später macht sich die Filmemacherin auf Spurensuche und lernt ihre Mutter als begabte Malerin kennen. Gleichzeitig erfährt sie die bittere Wahrheit: ihre Mutter war an den Folgen einer heimlichen Abtreibung gestorben. (Crossing Europe)

Saniyes Lust

Sülbiye Günar, Deutschland, 2003, 82 Min, Farbe, 35 mm, Spielfilm

Saniye Toprak und Tom Rillig – beide in der Baubranche tätig – heiraten. Tom steht ganz am Anfang seiner beruflichen Laufbahn als Bauleiter und genießt die gerade gewonnene finanzielle Unabhängigkeit – Saniye arbeitet bereits seit einigen Jahren als Bauzeichnerin in einem Ingenieurbüro.

Tom hat es mit der Familiengründung nicht so eilig – Saniyes Traum, sich beruflich weiterzuentwickeln, kollidiert mit ihrem Bedürfnis nach einer eigenen Familie. Ihr Wunsch nach einem Kind entwickelt sich zu einer fixen Idee. Heimlich setzt sie die Pille ab.

DANKE

Dr. Dr. Christian Fiala,
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und ärztlicher Leiter Gynmed.

Ungarisches Kulturinstitut / collegium hungaricum

Dr. Claudia M. Klier,
Oberärztin an der Uniklinik mit dem wissenschaftlichen Schwerpunkt „Psychiatrische Erkrankungen im Rahmen von Schwangerschaft und Geburt, Kindesmissbrauch und Kindestötungen”

Johannes und Joachim Wegenstein, Top Kino

 

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